Eines Vertrauten früher Tod

Eines Vertrauten früher Tod
umschattet' einst mir mein Gemüt,
und in tiefster Seelennot
ist meine Lebenslust verblüht.
Schlimm war er an sich selbst erkrankt
der Freund, der Lind'rung nie bekam,
und sein Geschwür wuchert' und rankt'
bis er sich dann das Leben nahm.
Ist niemals ganz von sich genesen,
bis er dann ans Sterben kam.
Bin dort in jener Nacht gewesen,
war bei ihm, als er Abschied nahm.
Vom seines Todes Moment an
änderte sich in meinem Leben
so aberviel und sie begann
ihre Liebe mir zu geben...
Ich konnte nur Tod noch denken,
meinte den Grund dafür den Freund,
dass Trauer tät' die Gedanken lenken
und darum der Tod so nahe mir scheint'.
Düster das Denken, dass sich mir bot;
stets rankten die Gedanken trübe
sich um das Sterben und den Tod;
der einz'ge Grund war ihre Liebe.
Hab sie damals nicht verstanden,
jene seltsamen Dinge um mich,
die mit dem Tode mich verbanden.
Der tote Freund jedoch war's nicht.
Bald begann ein seltsam's Sterben,
Menschen, befreundet, mir anverwandt;
So tat die eine um mich werben,
die in so grosser Lieb' entbrannt'...
Ein's Nacht schlug's spät an meine Tür
und mitternächtens, in Schatten und kalt
gehüllt stand schweigend dort vor mir
einer bleichen Frau Gestalt.
Schwieg still und ihr schwarzes Haar
umspielte ihre fahlen Wangen,
die Brust, die angstvoll bebend war,
ein einzig schattiges Verlangen.
Hat bei der Hand mich dann genommen,
und ich begriff's beinahe gleich;
zu mir war der Tod gekommen,
fahl und schön und kühl und bleich.
"Was machtest du mich an dich denken?"
ich fragte, wollt', nein musst' verstehen.
Sie sagt, sie wollte sich mir schenken...
Ich konnt' die treuen Augen sehen.
Und was sie sprach schaudert' mich tief:
"Ich verliebt in jener Nacht,
da dein treuer Freund mich rief,
mich in den der bei ihm wacht.
"Das allein, das war der Grund?
"Die um mich starben, es gab kein..."
Sie riss das Wort mir aus dem Mund
"Ich wollt in deiner Nähe sein!
Hab' nicht gewagt, dich anzusprechen
kannst du es denn nicht verstehen?
dies ungewisse Herzenstechen,
nicht wissen, wird er mit mir gehen?"
Der Tod, er hat so viele Tränen
und während mir Liebe schwört
da weinte solche sie, von denen
hatte kein niemand je gehört.
Sie sagt', sie wolle mich nicht drängen
all das wär' mein freier Entscheid,
doch tät' ich zu sehr am Leben hängen,
sie litte bitteres Herzeleid...
Der Tod verliebt, verliebt in mich?
Nur weil ich bei dem Freund gewacht?
Mich schauert's sinnlich und auch ich
verlor mein Herz in jener Nacht...
Das ist nun zwei Nächte her
und heute kommt sie wieder zu mir,
mir ist das Herz so mühlsteinschwer
und heute geh' ich fort mit ihr...

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