Alusius Tuntens Uhrenwerke

Mein Name ist Alusius Tunt
und mein Urteil lautet Tod
vollstrecket wird's zur vollen Stund
mit des Beiles Schneide rot.

Uhrmachermeister bin ich,
doch bin's wohl nicht mehr lang,
denn der Titel ist kaum sinnig,
so man auf mich das Beil erst schwang…

Einen Laden hatt' ich auch
und zwar im bess'ren Teil der Stadt,
hatt' stetig einen vollen Bauch,
da man mein Werk geschätzet hat.

Oh, die Pendel meiner Uhren
schwangen weiter, schöner aus
und Pfaffen, Adlige und Huren
hatten sie in ihrem Haus.

Sanduhren von meiner Hand
rühmte allerwärts man sehr,
bess'res Holz, besond'rer Sand
und reinstes Blei, dunkel und schwer.

Aus meinem Geschäft eine Taschenuhr,
hielt zwanzig, fünfzig, hundert Jahr'
und tat es einzig, bloß und nur
weil sie aus meinem Laden war.

Und ich versorgt die Polizei
mit Uhren von besond'rer Güte
da man sich doch in solcherlei
Beruf um Pünktlichkeit bemühte.

'S gibt kein Haus in dieser Stadt,
das nicht in Kammern und Mansarden
einst eine Uhr gesehen hat
die aus Alusius Tuntens Laden!

Oh's ist beileib kein schön's Geräusch
wenn Henkersmann sein Werkzeug schleift,
und seine Axt, verludert keusch
lüstern seinen Wetzstein streift.

Und aus dieser Zelle hört
man am besten wie er's macht.
Bah, wie es meine Ohren stört
sein Handwerk, grob und ungeschlacht…

Doch ab will ich nicht lenken,
weil sie sich doch sicher fragen,
weshalb 'nen Uhrmacher erhenken?
Nun, ich will es ihnen sagen:

Zum einen lag's mit Sicherheit
am Neide and'rer Uhrenmacher,
deren Liebe für die Zeit
und Talent bei weitem schwacher.

Dies Neiden trug ich mit Geduld.
Doch and'rerseits, so sagt man hier,
sei'n ein'ge 'Eigenheiten' schuld,
die man zum Vorwurfe macht mir.

Was sind denn aber Uhren ohne Seele?
Und Seele hat nicht Holz noch Blei,
welches immer ich auch wähle,
von Seele bleibt das Uhrwerk frei.

Und's ei'gne Herzenblut reicht nicht,
es braucht mehr für gute Uhren.
Man sieht's am besten im Gesicht,
hektische Flecken. Leut' die spuren,

die exakt sind und genau,
Gemüter, pünktlich aber schlicht,
eignen sich zum Uhrenbau.
Wie? Ach, sie verstehen nicht…

Nun, für ein Zahnrad ideal
sind in der Regel Kieferknochen.
und and're Knochen kleiner Zahl;
doch man muss sie sauberkochen!

Fett für das Uhrwerk jedenfalls
lässt sich aus dem Wanst gewinnen,
Und aus der Schlagader im Hals
lässt man das Blut nach draußen rinnen,

womit besser man nicht geizt
denn und in üpp'gen dunklen Massen,
wird damit das Holz gebeizt,
das man drei Tag' muss trocknen lassen.

Aus Knochen Leim man kochen kann,
der gut kittet im Verbund mit Harz.
Den Rest des Leib's vebrennet man,
und mischt die Asche dann mit Quarz.

mit dieser Asch', in Quarz gekreuzt
füllet man auf die Kolben,
die sich im Holze, blutgebeizt,
um eine Sanduhr wolben…

Ich weiß, da können sie mir trauen,
dass man aus einem toten Mann
drei Taschen-, eine Standuhr bauen,
und ein'ge Sanduhr'n füllen kann.

Oh, aus ihnen wäre sicher auch,
für Uhren einiges zu holen.
Zahnrad vom Kiefer, Fett vom Bauch,
und der Rest kommt auf die Kohlen…

Man kriegt' mich übrigens am Kragen,
durch eine Unvorsichtigkeit.
Hab' einen reichen Herr'n erschlagen
vor gar nicht allzu langer Zeit,

Hab' alles an ihm gut verwandt,
in Uhren gezogen und gehängt,
den Rest, wie übentlich verbrannt
und in Sanduhren gezwängt.

Dabei hab' ich bloß vergessen,
seinen Schmuck ihm abzuwinden
und er hat einen Ring besessen,
der im Feuer nicht tat schwinden,

er schmolz nicht fort noch weg.
Und ich merkt's nicht, das Ringelein
als ich es mit dem Aschendreck
in eine Sanduhr füllt' hinein

Ich verkauft', Torheit und Not,
an seine Witw' ein' Uhr mit Sand.
Sie starb an einem Herzschlag tot,
da sie den Ring im Sande fand…

Tuntens Zeichen auf der Uhr
und des Mannes Ring im Sand
war dann auch genügend Spur,
dass man mich alsbald schon fand.

Pünktlich kerkert' man mich ein,
und urteilt' bald zum Tode mich,
doch fast will ich mir sicher sein,
so weit, nein, so weit kommt es nicht!

Zwar tötet' ich wohl zehn, elf Leut,
doch auch wenn es so zu sich trug,
ha'm fünfzig heut genaue Zeit
weil ich diese zehn erschlug!

Ja, ich konnt' für jedes Leben,
das ich aus einem Menschen zerrt'
fünffach Zeit euch geben
und Zeit ist vieles heute wert!

Denn Zeit, mein Freund, ist wichtig.
wie sie's zu allen Zeiten war,
der einzelne ist nichtig
und gewiss mein Freispruch nah…

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