The wonderful World of Spam

oder
Danke, mein Penis ist lang genug

Der Besitz eines Computers prädestiniert für Probleme.
Denn selbst wenn alle angeschlossenen Geräte irgendwann funktionieren, gibt es am Ende noch das Internet! Und dort warten viele neue Freunde, wie etwa Jessica42, Mona938 und Uschi WeissderDrahtwienoch, die uns auf ihrer Homepage ständig neue Bilder von sich zeigen wollen. Aber dort im Netz gibt es auch noch andere Leute. Menschen, die das ehrliche Bedürfnis haben zu helfen! Zum Beispiel 23987 @ aol.com, der mir heute ein buntes Tablettenpacket schnüren wollte: 10 Sorten putzige Pillen und many many others.
Doch in Anbetracht der Tatsache, dass weder Jessica noch Mona mir damals auf meine Mails geantwortet haben, habe ich auch darauf verzichtet, 23987 zu fragen, ob das sein Vor- oder Nachname ist.
Ich werde ihm wohl überhaupt nicht zurückschreiben.
Schräg gegenüber ist schließlich eine Apotheke.
Andere charmante Leute sind rund um die Uhr bereit, mir bei meinen Problemen mit hässlichen Pop-Ups zu helfen, die sie mir allerdings vorher selber schicken. Das bedeutet, dass sich auf einem Monitor ein Fenster öffnet, in dem man mich fragt, ob ich das Öffnen von Fenstern nicht irgendwie unterbinden möchte. Genaugenommen hat das etwas von einem Oberschenkelsteckschuss dessen Schütze freundlich fragt ob man in Zukunft nicht vielleicht doch lieber nicht angeschossen werden würde. Auf einer etwas höheren Ebene ist die ganze Geschichte ein beinahe globales Gleichnis, das in etwa einem Krieg entspricht, den man führen muss, um in Zukunft keine Kriege mehr zu führen. Soll ja aber auch schon passiert sein.
Aber Gott sei Dank lassen die Dinger sich ja schnell wegklicken.
All das vermochte ich recht zügig hinter mir lassen, ganz im Gegensatz zu den Mails der Leute, die sich regelmäßig besorgt nach meiner Penislänge erkundigten.
Ich gebe zu, ich habe ein wenig darüber nachgedacht.
Als dann aber derlei besorgte Erkundigungen auch die Mailboxen weiblicher Bekannter füllten, begann ich, das ganze weniger persönlich zu nehmen. Die hierdurch gewonnene Freizeit verwendete ich auf ein kleines Rechenexempel, dass mich zu einem bemerkenswerten Ergebnis kommen ließ: Ein winzig kleines männliches Dingens, das sich für jede irgendwo eingehende freundliche Verlängerungsmail, automatisch um ein Zentimeterchen verlängert, würde dementsprechend innerhalb zweier Tage bis zum Mond reichen.
Das ist zwar wirklich beeindruckend, aber irgendwie auch nicht sinnvoller als sich selbst beschimpfende Pop-Ups und genaugenommen Quatsch.
Das klingt an dieser Stelle vielleicht hart.
Aber ich bin eigentlich kein schlechter Mensch.
Und wahrscheinlich sind Jessica, Mona, der Pillenmann, Herr Pop-Up und die Kollegen von Penisverlängerung es auch nicht. Aber insgeheim wäre es mir dennoch ein Bedürfnis, all diese Leute zumindest virtuell mal miteinander bekannt zu machen. Die Vorstellung, dass Jessica und Mona sich im Widerschein zahlloser Pop-Ups die Pillen von 23987 einwerfen, während der Penisdiscounter, die neuesten Bilder der beiden Ollen anschauend, diesem noch ein Stückchen auf den Dödel schraubt, erfüllt mich nämlich irgendwie mit tiefer Genugtuung!
Davon ab frage ich mich jedoch ernsthaft, ob mir so ein kleines zusätzliches Zentimeterchen wirklich schaden könnte...

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