Der Schatz von Zwergenland

Prolog:

Man hörte schon immer an gewissen Orten und Plätzen
Geschichten von sagenumwobenen Schätzen
und aufgrund solcher Märchen und Sagen
taten schon viele Männer sie wagen,
die große Suche bis hinter's Meer
oftmals ohne Wiederkehr...
Von so einem Wagnis will ich erzählen
und man hat die Wahl, darf wählen
ob man's glauben will oder nicht.
Es fällt nicht weiter ins Gewicht,
denn ich weiß, daß es so gewesen ist,
was nicht heißt, daß ihr's glauben müßt...

Es begann in einer kleinen Stadt
wie man schon viele gesehen hat,
ihre Bürger waren feist faul und zufrieden
und doch war ihnen entschieden
zu wenig passiert in ihrem Ort.
Drum zog es viele von ihnen fort,
als an einem Abend, das Jahr weiß ich nicht mehr,
aus and'rem Land, von sehr weit her,
ein Geschichtenerzähler kam,
Platz auf ihrem Markte nahm
und von alten Sagen dann
ihnen zu erzähl'n begann.
Gern schenkte man dem Greis Gehör,
dies fiel auch nicht weiter schwer,
da er das Thema geschickt wählte,
von Reichtum und einem Schatz erzählte,
der, fern von diesem kleinen Ort,
in einem felsig' Zwergenhort
lange schon verborgen sei.
Und es sei nicht viel dabei
schelmisch, tückisch und verstohlen,
den Schatz ganz einfach abzuholen.
Dann zog der Mann aus seinem Barte
eine halbzerfall'ne Karte,
gab zu gutem Preis sie fort
und verließ den kleinen Ort.
Ein Schiff war mit Männern schnell bestückt
die, halb wahnsinnig und halb verrückt,
auf die Schatzsuche sich machten
und Tod und Teufel wohl verlachten,
da ein Schatz, so oder so,
wohl lohnte jedes Risiko.
Sie überquerten's Meer, wie die Kart' es befahl,
und erschreckend klein war ihre Zahl
da sie betraten Zwergenland
wie der Alte es genannt.
Viele Männer war'n gestorben,
manche am Fraße, der verdorben,
and're war'n im Meer versunken,
kläglich im selbigen ertrunken,
and're starben einfach so;
es lohnte ja das Risiko.
Und die kleine Männerschar,
die auf Zwergenland nun war
sich keine Pause gönnt', oder Ruhe ließ,
sie folgte dem Weg, den die Karte wies.
Und auf dem Weg, dem schrecklich langen,
sind dann noch ein paar draufgegangen,
keiner von ihnen hat sich beschwert,
es war das Risiko ja wert...
Am Abend wurd's dunkel, wurd' es kühl,
da erreichte das Grüppchen dann sein Ziel.
Vier bloß waren übrig geblieben,
und wie in der Karte genau beschrieben,
vom toten Baum nach Norden sieben,
nach Westen neun Schritte getan,
durch Buschwerk gebrochen eine Bahn,
da war der Eingang einer Höhle zu seh'n.
Bei Gott, war dieser Anblick schön,
dahinter würden Schätze liegen,
müßten tausend Tonnen wiegen.
Als sie der Höhle Düsternis betraten
mußten sie ein wenig warten,
damit, während man allein sich wähnte,
das Aug' an die Dunkelheit gewöhnte.
Doch alleine war man nicht.
Aus dem nichts erschien ein Wicht,
sprach die Fremden dann
ohne groß zu zögern an:
"Was Fremdlinge, ist euer Begehr?
Sicher kommt ihr von weit her,
seid nicht aus Zufall hier gelandet
sicher auch nicht hier gestrandet..."
Was sollte dem Zwerg man sagen?
Sicher könnte man's nicht wagen
die Wahrheit dem Wichte zu erzählen,
drum taten die vier die Lüge wählen:
"Bei uns hörten wir vom Zwergenland, dem fernen,
und wollten die Zwerge kennenlernen.
Dafür taten wir soweit reisen.
Wird man uns Gastfreundschaft erweisen?"
Das genügte, so wollten sie meinen
und's wollt der Kobold nicht verneinen...
So feierten die vier nun mit den Wichten
erzählten sich lustige Geschichten
und aßen, spaßten, lachten und tranken.
War'n aber mit ihren Gedanken
beim Schatz, den man auf leisen Sohlen
wenn die Wichte schliefen würde holen.
Es gab viel Spaß, es floß viel Wein,
bald schliefen die Zwerge ein.
Dazu muß man sagen,
daß sie kaum viel Wein vertragen,
sind ja auch so klein,
paßt gar nicht viel rein...
Die Wichte schliefen in des Weines Wahn
und die vier sah'n auf dem Plan
den Raum, in dem der Schatz war drin.
Dort schlichen sie nun leise hin,
öffneten mutig, unverdrossen,
die Türe welche nicht verschlossen
und da standen die vier nun jetzt
vor dem Schatz zu guter letzt.
Er bestand nur aus gold'nen Statuetten,
wenn sie nur Säcke mitgenommen hätten,
da paßten nämlich mehr hinein.
Es mußten wohl an die tausend sein,
die in der Schatzkammer rumlagen,
Nur mit Händen kaum zu tragen.
Während man im Glanz des Gold's sich sonnte
nahm man was man tragen konnte.
Dann wollten die viere raus.
Doch es ging nicht mehr hinaus,
fest verschlossen war die Tür
und da standen jetzt die vier,
mit Gold in den Händen, Hosen, Mützen,
der ganze Reichtum wollt' nichts nützen
man konnte nicht hinausgelangen,
man war eingesperrt, gefangen.
Irgendwann erschien der Wicht,
hielt über jene vier Gericht:
"War's also doch nur unser Gold
das ihr Fremdlinge gewollt,
habt uns Gnome dreist belogen,
uns hintergangen und betrogen.
Ich will bei schnöden Worten nicht verweilen;
der Zwergenfluch soll euch ereilen."
Die vier schrien sich ihre Kehlen heiser.
Bald wurden ihre Schreie leiser
und die vier wurden kleiner, wurden ungewollt
zu kleinen Figürchen aus purem Gold.
Und wieder war der Schatz reicher um vier Statuetten,
die die Zwerge kaum bekommen hätten,
wenn im Menschen nicht so sehr
die Gier nach Gold und Reichtum wär...

Epilog:

Ein kleines Boot legte am Strand
vom kleinen stillen Zwergenland
am übernächsten Abend an,
und diesem Boot entstieg ein Mann
der den Zwergen wohlbekannt
und sie drückten die Karte in seine Hand.
"Auf alter Mann, nimm hier den Plan
der dem Mensch gebiert den Wahn,
gegen's Goldes Ruf kann er sich nicht wehren
so geh nun uns'ren Schatz vermehren.
Und in des Mannes weißem Barte
verschwand eine halb zerfall'ne Karte...
Und die Moral nun endlich
ist jedem wohl nur zu verständlich,
wenn einer von euch in seiner Stadt
einen Geschichtenerzähler geseh'n hat,
hält er sich, hat er sein Leben gern
von ihm und seinem Barte fern...

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