Der Koboldberg

Einst war ein Wald, ein Berg darin
Zu dem zog es die Menschen hin.
Ein Bergwerk baut man in jenen Wald
Und dieses förderte schon bald
aus dem Boden güldenes Erz
durch irdne Höhlen himmelwärts.
Fand Einer im Bergwerk Arbeit dann,
ward schnelle ein gemachter Mann
weil jener Berg dort seltsam reich war
und die Erze leicht erreichbar.
So schoss um den Berg und den nahen See
ein Dorf, eine Stadt bald in die Höh.
Reich war sie und ein einzig Gedränge,
erstanden aus dem Gold der Gänge.
Schnell ging alles dies von statten
und niemand ahnt die nahenden Schatten.

Es kam ein Tag, der sonderbar,
seltsam, alles ändernd war.
Wie gewohnt war die Arbeit im Gang
Schmutz und Staub und tiefer Gesang
Spitzhack, den Takt den man sang,
klingend in Lehm und Stein hineinsprang.
In einem Gang, etwas abgelegen
folgt ein Mann im Takt den Schlägen,
als seine Hacke den Lehm durchstach
und polternd die Wand des Stollens einbrach.
Es gab ein helles Geräusch, als die Hacke scharf
auf eben solch ein Werkzeug traf.
Und ein kleiner, dichtbebarteter Kopf
mit einem lehmverschmierten Schopf
war das, was hier nun kroch
durch das so entstandene Loch.
Das Loch es wurde langsam weiter
und Schrecken griff den Grubenarbeiter
und es stand vor ihm sodann
ein wahrhaftiger Koboldmann.

War dieser Gnom auch noch so klein,
so garstig schaut der Kleine drein,
dass den Bergmann die Angst überkam
und er die Beine in die Hände nahm.
Und so kams, dass er nun wie noch nie
lief und aus vollster Kehle schrie
und dass sich im Bergwerk kein Mann fand,
der nicht wär angstvoll mitgerannt.
Kaum waren die Bergleute nun fort,
fand sich im Gange ebendort,
wo nun die Stollenwand stand offen
und wo jener Bergmann den Kobold getroffen
ein sonderliches Völkchen ein,
missgelaunt und seltsam klein.
Das Koboldvolk bestaunt die Gänge
mächtig, hoch, breit, ohne Enge,
staunte, denn solche Gänge haben
Koboldhände nie gegraben.
Doch auf das Staunen kam die Wut.
Woher nahm die Menschenbrut
das Recht zu dringen in den Berg
und zu verrichten Tunnelwerk.
Dies war koboldner Boden,
von ihnen zu ernten, von ihnen zu roden.
Dies war ihr Berg und das war ihr Gold
und einzig und ewig nur ein Kobold
hatte das Recht auf dieses Land,
das Gold, den Stein und selbst den Sand.
Doch nun waren Menschen eingedrungen,
deren Stollen den Berg durchschlungen,
das Koboldvolk jedoch wusst nun
sofort gewiss, was hier zu tun.

Sicher, dass alles am Vortag Illusion
marschierten am nächsten Morgen schon
die Bergleut hin zu ihrem Werk
und sahen grad noch wie ein Zwerg,
wobei dieser leise lachte,
flink sich aus dem Staube machte.
Es ruhte nun am Gang hinein
eine Tafel Schieferstein
und in den Stein, den silbergrauen
war seltsam Wort hineingehauen.
Es war eine Warnung von Zwergenhand,
die man dort am Stollen fand.
Aufforderung aus jenem Berg zu gehn
und nimmermehr zurückzusehn.
Denn dies würd Koboldboden sein,
so die Begründung auf dem Stein.
Das Menschenvolk jedoch blieb stur.
Man las den Stein und lachte nur
Und eilt zur Arbeit, dann ins Werk.
Im Busche sass derweil der Zwerg,
hatte verstanden und hatte gesehn
den gezeichneten Weg würde es nun gehen.

An jenem Tag fiel mancher Stein,
stürzte manch ein Stollen ein.
Und viele Männer kamen zu Toden
in jenem koboldnen Boden.
Am Abend, da jene die noch lebten
der schwindenden Sonne entgegenstrebten,
fanden sie an des Ganges Rand
neuerlich Mahnung von Zwergenhand.
Ihr habt gesehn, habt gespürt,
wohin der Koboldzorn euch führt.
Und da ihr eure Toten seht
ists an der Zeit, dass ihr nun geht.
Doch noch immer verlacht man der Gnomen Wut,
dabei war nicht allen mehr wohl zu Mut.
Einige nun, voll Angst und Sorgen,
verliessen den Wald am nächsten Morgen.
Doch eine mut’ge kleine Menge
strömte wieder in die Gänge,
ein letztes Mal noch es zu wagen,
die schimmernden Erze loszuschlagen.
Man fand dann auch an jenem Berg
keine Warnung, keinen Zwerg.
Und wähnte folgefalsch sich sicher,
doch leise hämisches Gekicher,
das kobolden und wissend klang,
drang aus dem Waldstück vor dem Gang.
Man hat sich geplagt, hat sich geschunden,
brach viel Gold in wenigen Stunden.
Doch mit jedem Klumpen, leicht oder schwer,
schloss sich der Berg ein wenig mehr.
Und so kam es, dass zur Nacht
nicht ein Tunnel, nicht ein Schacht
sich durch Lehm und Stein und Gras und Sand
nun mehr in jenen Berg sich wand.
Und das der Bergleut kleine Schar
mit ihm nun Eins geworden war.

Die Moral gibt dein Verstand
vereinnahm niemals Koboldland
denn für dich, Mensch, und dein Leben
sind klare Grenzen dir gegeben.

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