Guffin der Kleine

Am Hofe des Königs vom Elfenthron
fand seit vielen Jahren schon
jedes Jahr zur gleichen Zeit
statt ein sonderlicher Streit.
Zwischen den besten Magiern im Land
ein jeder im Reiche wohlbekannt
und jeder ein Meister der Magie,
doch es geschah noch niemals, nie
dass einer den Sieg von dannen trug.
Keiner der Magier war gut genug
und besser als die anderen Beiden,
zwang den König zu entscheiden.
Gewiss wohl so wie jedes Jahr
bestand die kleine Magierschar
aus drei Magistern der Zauberei
und eben diese welche drei
waren vom Lehmsee Meister Galaban,
dem Elfen und Gnome zu Diensten warn.
Aus dem Nordland Brolin Schrotgesicht,
seine Magie war Feuer und Licht
und Jaunor von Thybas, kraftvoll und stolz.
Seine Magie erwuchs aus Stein und aus Holz.
Der König, ein weiser alter Mann,
gab das Zeichen und der Wettstreit begann.
Als erster trat Galaban hervor,
schuf aus dem Nichts einen Elfenchor,
dessen mystisch-magischer Gesang
wie die Stimme der Wälder klang.
Dann wuchsen aus dem Boden Schatten,
die die Gestalt von Gnomen hatten
und die gemäss des Zauberers Verlangen
ungelenk durch den Thronsaal sprangen,
durch alle Räume rannten und eilten
und sich im Laufe auch noch teilten.
Dann ein Wink des Zauberers und es schwand
das Schattenvolk ins Gnomenland.
Doch man sah es an seinem Gesicht,
beeindruckt war der König nicht.
Brolin trat vor.
„Nun, ein kleiner Mann,
der singen oder tanzen kann,
ist, mit Verlaub gesagt, Kinderkram.
Erröten sollte Galaban.
So zeige denn jetzt ich euch nun,
was wahre Magier wirklich tun.“
Er klatscht in die Hände, was Funken schlug
und durch diesen feurigen Funkenflug
fing das ganze Palastgemäuer
auf seltsame Weise magisches Feuer.
Die Anwesenden standen beisammen,
dichtgedrängt in den lodernden Flammen
und was keiner von ihnen verstand
nicht einer wurde verbrannt.
Unerwartet, auf magische Weise
brach ein Vogel aus Schatten seine Schneise
durch die wabernde Masse der Flammen
bis, nahe bei Brolin, seine Konturen verschwammen,
sein Körper wuchs, bis er den Raum ausfüllte
und sein Schwarz die magischen Flammen stillte.
Kälte und schwärzeste Dunkelheit
machten sich nun im Thronsaal breit
und langsam, sachte, nicht zu schnell,
macht Brolins Hand ihn wieder hell.
Doch man sah es an seinem Gesicht,
beeindruckt war der König nicht.
Nun verneigte Brolin sich
und Jaunor rief: „Achtet auf mich!
Aus der Mitte von diesem Raum
erwächst durch meine Kraft ein Baum.“
Er stampft dreimal mit einem Bein,
da schoss ein mächtiger Stamm aus dem Stein
und es hin, wie der Magier es gewollt,
an jedem Ast ein Klumpen Gold.
Dann liess Jaunor die Wände erbeben,
als hätte das Gemäuer ein eigenes Leben.
Bald stand es ruhig, Schaden hats keinen
Und der Baum verschwand wieder zwischen den Steinen.
Der Zauber Jaunors war vorbei
und zwar der letzte jener drei.
Doch man sah es an seinem Gesicht,
beeindruckt war der König nicht.
Und da er sie nun zu sich rief
verneigten sich die Magier tief
und lauschten voll Erwartung dann,
zu hören, wer den Streit gewann.
Und der Herr des Elfenthrons entschied:
„Ein jeder ist Meister auf seinem Gebiet
und ihr wart alle wunderbar,
doch allein es ist wie jedes Jahr
und es zu sagen fällt mir schwer,
nicht einer unterhielt mich mehr,
als die anderen beiden zwei.
Zu mächtig seid ihr, alle drei.“
Während der König jetzt noch sprach,
etwas durch die Ostwand brach.
Ein kleiner, dicker Mann stand dort
und klopft sich Staub vom Rocke fort.
„Guten Tag, man nennt mich Guffin, Guffin das Kind.
Ich reiste hierher mit dem Wind.
Hab wohl zunächst den falschen genommen,
bin deshalb auch zu spät gekommen.
Auch ich wollte mich heut bequemen
an diesem Wettstreit teilzunehmen.
Ich nahm hier zwar noch niemals teil,
doch ich möchte, einfach weil
ich zeitenweise, dann und wann
auch ein wenig zaubern kann.
Oh, verzeiht! Ich hab eure Mauer ein wenig beschädigt,
doch glaubt mir, das ist gleich erledigt.
Ich stell einen Blumentopf davor
und zu erfreuen euer Ohr, setz ich einen Vogel drauf,
den ich beim Vogelhändler kauf
weil ich, man sieht es mir wohl an,
Vögel noch nicht zaubern kann.
Doch nun, mein König, mit viel Geschick,
vollführe ich meinen ersten Trick.“
Guffin stülpt sich einen Topf
über seinen kleinen Kopf.
„Mein König, dieser Trick ist schwer!
Durch diesen Topf, auf meinem Kopf
schaff ich, denn ich bin gescheit,
absolute Dunkelheit.
Und nun erneut mit viel Geschick,
Majestät mein zweiter Trick.
Diesen Samen setze ich in die Erde
Und wenn ich fleissig giesse, werde
ich dereinst einen Baum gezaubert haben,
an dessen Frucht mögt ihr euch laben
und wer es sich denn leisten kann,
der hängt noch etwas Gold daran.
Einen Zwerg schaff ich euch nicht,
bin ja selbst fast nur ein Wicht.“
Den König, den strahlend die Krone geziert,
hatte sich prächtig amüsiert.
„Was sind diese drei hochmütigen Gestalten!
Du, Guffin sollst den Titel erhalten,
um den sie seit so vielen Jahren streiten.
Sie konnten mir nie wahre Freude bereiten.
Du bist um einiges mehr amüsant,
als alle Zauberer im Land.“
Galaban, Brolin und Jaunor entschwanden voller Wut.
Doch seither amüsiert jener König sich gut.
Von Guffin dem Kleinen unterhalten,
diesen Magier wird er behalten.

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